Ein Pakt zwischen zwei Seelen
Vor 40.000 Jahren war Gianthold die Hauptstadt des Verlorenen Reichs der Riesen auf Xen'drik. Im Schutz der Festung Gianthold Tor lernten die Riesen mächtige Magie, bildeten furchteinflößende Soldaten aus und erschufen großartige Kunstwerke. Aber Gianthold wurde von den Drachen von Argonnessen zerstört. Nur die Drachen selbst erinnern sich gut an dieses Ereignis, und ihre Historiker glauben, dass die Riesen ihren Untergang selbst herbeigeführt haben, indem sie die magischen Geheimnisse missbrauchten, die die Drachen ihnen anvertraut hatten. Das stimmt – aber es ist nur ein Teil der Wahrheit ...
Der Sturmbringer war ein Held in dem verhängnisvollen Krieg gegen Dal Quor, und als er kurz vor der Niederlage stand, wandte er sich an seinen stärksten Verbündeten: einen alten Drachen, dessen wahrer Name vergessen ist, dessen Weisheit ihm aber den Beinamen "Der Wahrheitsliebende" eingebracht hatte. Der Sturmbringer schmiedete einen Pakt mit dem Wahrheitsliebenden, der das Zwielicht und seinen Tod nahen sah: Sie vereinbarten, ihre Leben zu opfern, um einen gewaltigen Zauber zu wirken, den Plünderer-Bann, der ganz Xen'drik gegen die Quori wenden sollte.
In seinem Innersten bereute der Wahrheitsliebende diese Entscheidung. Er betrachtete die Riesen als niedere Rasse, nicht einmal wert, die letzten wenigen Jahre seines Lebens für sie zu opfern. Seine Missgunst trieb ihn zu einer schicksalhaften Entscheidung: Als die Zeit gekommen war, den Spruch zu sprechen, starb er nicht völlig, um den Plünderer-Bann zu wirken, sondern opferte nur seinen Körper. Der Geist des Wahrheitsliebenden ergriff vom Kadaver eines anderen toten Drachen Besitz. Der Sturmbringer starb, aber der Wahrheitsliebende wurde ein Dracolich.
Der Geist des Wahrheitsliebenden wurde finster vor Verderbtheit, und diese Finsternis beeinflusste die Magie des Plünderer-Banns. Obwohl dieser die Quori erfolgreich vernichtete, vergiftete er auch die magischen Strömungen von Xen'drik. Tausend Jahre lang brachen Flüche und Katastrophen über Xen'drik herein. Die Drachen beschuldigten die Riesen, sie hätten den Plünderer-Bann nicht richtig gewirkt. Die Riesen warfen den Drachen vor, sie hätten sich am Wirken des Zaubers beteiligt, es aber abgelehnt, beim Beheben der Schäden zu helfen.
Die Beziehungen zwischen Drachen und Riesen wurden immer schlechter. Die Drow-Elfen rebellierten gegen ihre Herren, die Riesen, und diese wurden nach und nach aus ihren Machtzentren überall auf Xen'drik verdrängt, bis sie sich schließlich nach Gianthold zurückzogen. Nur darin, dass der Sturmbringer zurückkehren würde, um den Wahrheitsliebenden an sein Versprechen zu erinnern, waren sich anscheinend alle einig.
Viele Jahre später versuchte ein längst vergessener Zauberer der Riesen – vom Wahrheitsliebenden verführt –, den Plünderer-Bann erneut zu wirken, um damit die Drow auszurotten. Die Drachen konnten dies jedoch nicht zulassen. Sie warfen einen schrecklichen Fluch über Gianthold, womit sie die letzte Zuflucht der Riesen auslöschten und dem krankhaften Hass des Wahrheitsliebenden auf alles Riesenvolk Genüge taten. Nunmehr träumt der Wahrheitsliebende davon, eine Nation untoter Drachen in Xen'drik zu begründen – und er plant, die Drachen von Argonnessen zu benutzen, um seinen Weg zur Macht zu ebnen.
Die Ruinen von Gianthold sind heute eine magieverseuchte Wüstenei. Nur Spuren der ursprünglichen Architektur der Stadt sind erhalten, obwohl Gianthold Tor noch immer drohend über der zerstörten Landschaft aufragt. Lagerplätze von Monstern verteilen sich wie Schmutz über die Region, und die stärksten Stämme haben sich in unterirdischen Ruinen eingenistet.
Gianthold selbst wurde kürzlich von Monstern eingenommen, die den Sturmbringer-Helden anbeten, in der Hoffnung, von seinen zukünftigen Siegen zu profitieren, wenn er endlich wiederkehrt.
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